Pneumologie 3.0: Vom aktuellen GOLD-Update über das Management der IPF bis zum Lungenkrebsscreening

Neue Studiendaten zu „High flow“-O2-Therapie, Bewegungstherapie und
kardiovaskulären Komorbiditäten

Nicht nur die neuen GOLD-Empfehlungen wurden in pneumologischen Fachkreisen zuletzt intensiv diskutiert, auch die Ergebnisse einiger rezent präsentierter Studien ließen aufhorchen. Durchaus praxisrelevante Resultate lieferte beispielsweise eine Studie, die eine Standard-Sauerstofftherapie mit einer nasalen „Highflow“-O2-Therapie (15–45l/min und 100% relative Feuchte bei 37° C) verglich. Dazu wurde ein innovatives Beatmungssystem namens Airvo™ verwendet, dessen Einsatz sich bei Patienten mit schwerer COPD bewährte. Im Vergleich von Airvo™ vs. O2- Therapie (LTOT) senkte die nasale „High flow“-O2-Therapie die Exazerbationsrate und die Zahl der Hospitalisierungen, nicht jedoch die Mortalitätsrate. Die Vorzüge der neuen Technologie dürften vor allem im Bereich der Convenience liegen, womit die Chance besteht, die bei nicht invasiver Beatmung oftmals schlechte Compliance zu verbessern.7
Dass es allein mit medikamentöser Therapie bei COPD nicht getan ist, zeigt die rezent publizierte ACTIVATE-Studie, in der die Wirkung von Verhaltensinterventionen mit dem Ziel vermehrter Bewegung in einer COPD-Population untersucht wurde. Die Studie verlief in mehreren Phasen. Nach Screening und „run-in“ wurden die Patienten über insgesamt 8 Wochen mittels Genuair®-Trockenpulverinhalator entweder mit dualer Bronchodilatation mit Aclidinium/Formoterol (AB/ FF) 400/12μg 2x täglich oder mit Placebo behandelt. In den Wochen 5 bis 8 nahmen alle Patienten an den Verhaltensinterventionen teil, durch welche sie dazu animiert wurden, mehr Schritte pro Tag zu gehen. Die Studie zeigte nach 4 Wochen eine Verbesserung der Lungenfunktion unter dualer Bronchodilatation (funktionelle Residualkapazität), die in der Gesamtpopulation die Signifikanz knapp verfehlte (Abb. 2). Zahlreiche sekundäre Endpunkte wie Post-Dosis-FRC, Residualvolumen und inspiratorische Kapazität verbesserten sich in der Verum-Gruppe signifikant. Die Studie zeigte auch, dass die Zahl der inaktiven Patienten bereits vor der Verhaltensintervention in der Gruppe mit dualer Bronchodilatation geringer war. Die Zahl der täglichen Schritte stieg unter dualer Bronchodilatation an. Die Überlegenheit im Hinblick auf die tägliche Bewegung blieb auch in der Phase der Verhaltensintervention erhalten.8
Im Rahmen der ebenfalls kürzlich präsentierten CLAIM-Studie wurde der Frage nachgegangen, wie sich eine gute Behandlung der Lunge bei COPD-Patienten auf das Herz auswirkt. In die Studie eingeschlossen wurden deutlich überblähte COPD-Patienten ohne kardiovaskuläre Erkrankung, die mit Indacaterol/Glycopyrronium (IND/ GLY) oder Placebo behandelt wurden. Primärer Endpunkt war das linksventrikuläre enddiastolische Volumen (LVEDV) am Tag 14. Tatsächlich zeigte die Studie, dass sich eine Entblähung der Lunge günstig auf die Herzfunktion auswirkt. Am Tag 14 war unter IND/GLY das LVEDV im Vergleich zu Placebo um 10,27ml gestiegen (95% CI: 6,21 bis 14,33; p<0,0001). Unter IND/GLY nahmen der kardiale Output um 0,337l/ min (95% CI: 0,118 bis 0,555; p=0,0032) sowie das rechtsventrikuläre EDV um 9,36ml (95% CI: 4,65 bis 14,07; p=0,0002) zu. Auch Lungenfunktion und Überblähung besserten sich im IND/GLY-Arm.9

 

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