Angina pectoris

Eine Angina pectoris („Brustenge“) ist definiert als drückendes und/oder brennendes Gefühl hinter dem Brustbein mit möglicher Ausstrahlung in den Oberbauch oder in den Unterkiefer und den linken Arm ulnarseitig. Typischerweise tritt diese bei körperlicher und/oder psychischer Belastung auf, dauert circa 5min und sistiert in Ruhe oder durch die Gabe von Nitroglyzerin sublingual. Kommt es zur Angina pectoris in Ruhe oder dauert sie länger und tritt sie häufiger auf, besteht der Verdacht auf eine instabile Angina pectoris oder ein akutes Koronarsyndrom (ACS). Zu diesem ACS zählt darüber hinaus der Infarkt mit oder ohne ST-Streckenhebung im EKG (STEMI oder NSTEMI).
Differenzialdiagnostisch kommt neben der koronaren Herzkrankheit (KHK) mit kritischer koronarer Ischämie eine Vielzahl von Erkrankungen infrage: Hypertoniekrise, hämodynamisch wirksame Aortenstenose, hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie, Tako-Tsubo-Kardiomyopathie, Aortendissektion, Pulmonalembolie, gastrointestinales Ulkus, Pankreatitis, Herpes Zoster, vertebragene oder psychogene Genese.
Durch eine gezielte Anamnese (plus Erhebung des kardiovaskulären Risikoprofils – familiäre Belastung erfragen!) und eine genaue physikalische Untersuchung (Blutdruck, Puls, Auskultation von Herz und Arterien) kann bei typischer Symptomatik rasch die Vermutungsdiagnose „akute KHK“ beziehungsweise ACS gestellt werden. Ein Ruhe-EKG muss – wenn möglich – innerhalb von 10min geschrieben und interpretiert werden; auch eine allfällige EKG-Dynamik ist von Relevanz. Vor allem die Unterscheidung STEMI und NSTEMI (ST-Strecken-Hebungsinfarkt oder nicht) bedingt die richtige Zuweisung ins Akutkrankenhaus; ein Patient mit STEMI sollte immer sofort in ein Krankenhaus mit Interventionsmöglichkeit transferiert werden.
Die Lagerung erfolgt entsprechend den Wünschen des betroffenen Patienten, er sollte jedoch immobilisiert werden. Eine stabile periphere Leitung muss rasch gelegt werden (Richtzeit 1min), ein Nitroglyzerinspray (1 Hub 0,4mg sublingual reicht aus; Vorsicht: Nitratsynkope möglich) und Aspirin (250mg peroral; i.v. bringt keinen Vorteil beim wachen Patienten) sollten verabreicht werden. Die Schmerztherapie (auch Morphin – mögliche Interaktion mit Plättchenhemmern bedenken) muss vor einer fakultativ nötigen Sedierung erfolgen. Sauerstoff darf nur mehr bei nachgewiesenem pO2-Mangel verabreicht werden. Bei Hypertonie und/oder Tachykardie sollte an einen Betablocker gedacht werden, eine Observierung – am besten am Monitor – muss bis zum Eintreffen des Notarztes erfolgen.

Pfad: