Update Hepatitis C: Aktuelle Therapieempfehlungen bei Hepatitis C

Risikogruppen erkennen und untersuchen

Die aktuellen Leitlinien raten dazu, Personen, die Risikogruppen angehören, auf eine HCV-Infektion zu untersuchen. Generell sollte aber jeder Patient mit erhöhten Leberwerten auf Hepatitis C getestet werden. Allerdings können unspezifische Symptome wie Fatigue, Gliederschmerzen oder Nausea ebenfalls auf eine HCV-Infektion hinweisen. Oft berichten Patienten auch über Ikterus, dunklen Harn, hellen Stuhl und Pruritus. Sechs bis sieben einfache Fragen helfen in der täglichen Routine dabei, die entsprechenden Personen zu identifizieren (Tab. 1).3 Wird mindestens eine der Fragen mit „Ja“ beantwortet, sollte das Vorliegen einer HCV-Infektion abgeklärt werden. Besonders heikel sind dabei Fragen nach dem Drogenkonsum und dem Sexualverhalten, da viele Patienten dies nicht offen beantworten möchten. Es ist allerdings ratsam, hier gezielt und diskret nachzufragen, besonders wenn erhöhte Leberwerte gemessen wurden, deren Ursache nicht klar ist. So kann beispielsweise der ursächliche Drogenkonsum ein einmaliges Ereignis gewesen sein, das bereits lange zurückliegt. Bei Piercings und Tätowierungen ist das Infektionsrisiko vor allem dann besonders hoch, wenn sie unter mangelnder Hygiene und nicht von professionellen Tätowierern ausgeführt werden. Eine weitere Risikogruppe sind ehemalige Häftlinge,da diese sich oft gegenseitig tätowieren und in Gefängnissen zudem häufig i.v. Drogen konsumiert werden.3
Besonders wichtig zu wissen ist, dass die HCV-Infektion des einen Partners nur extrem selten zur Infektion des anderen führt. In prospektiven Studien wurde kein Hinweis auf eine sexuelle Übertragung von HCV bei heterosexuellen Paaren gefunden. Dennoch war in verschiedenen Untersuchungen die HCV-Prävalenz von Sexualpartnern und Haushaltsangehörigen von HCV-positiven Personen gering erhöht.4 Wenn man in solchen Fällen genau nachfragt, findet sich oft eine andere gemeinsame Infektionsquelle (z.B. gemeinsam benutzte Zahnbürsten oder Nagelscheren).
Für den Nachweis einer HCV-Infektion ist ein positives Testergebnis auf HCV-Antikörper allein nicht ausreichend, denn diese persistieren lebenslang, auch bei ausgeheilter Hepatitis C. Der Infektionsnachweis ist nur aussagekräftig, wenn die Viren selbst, beispielsweise mittels Real-Time-PCR, identifiziert wurden! Darüber hinaus sollte der Virus-Genotyp bestimmt werden, da dieser einen Einfluss auf die Therapieoptionen haben kann. Zwar stehen inzwischen pangenotypische Therapeutika zur Verfügung, dennoch ist es für die Verschreibung der Therapie notwendig, den Genotyp zu kennen.

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