Adipositaschirurgie spart Geld und verlängert Leben: Behandlungsmöglichkeiten und Wissenswertes für die Nachsorge

Wie funktioniert die Patientenselektion?

Sollte aufgrund der genannten Leitlinien die Indikation für einen bariatrischen Eingriff gestellt werden können und keine Kontraindikationen dagegensprechen, so muss für den jeweiligen Patienten die richtige Operationsmethode gewählt sowie das peri- und postoperative Risiko richtig eingeschätzt werden. Dieses kann durch eine Reihe von obligatorischen Untersuchungen sorgfältig abgeklärt werden:

Diätologische Betreuung und Beratung
Mittels Einzel- und Gruppengesprächen werden die Patienten schon im Vorfeld der Operation auf die neue Essenssituation vorbereitet. Diätologische Betreuung sollte dem Patienten vor der Operation, während des Krankenhausaufenthalts und postoperativ zur Verfügung stehen. Patienten mit einem besonders hohen BMI von ≥50kg/m² können mithilfe diätologischer Maßnahmen präoperativ über einen Zeitraum von rund 4 Wochen 5–10kg verlieren („Leberfasten“), damit durch eine Reduktion der Größe des linken Leberlappens während der Operation das Operationsgebiet besser eingesehen und somit das Operationsrisiko gesenkt werden kann.

Internistische Evaluierung
Die kardiopulmonale und respiratorische Abklärung ist besonders bei Patienten mit ausgeprägtem metabolischem Syndrom wichtig, um das Narkose- sowie das perioperative Risiko einzuschätzen und minimieren zu können.

Gastroskopie
Eine präoperative Gastroskopie zur Evaluierung von Hiatushernien, Ösophagitis, Gastritis, Helicobacter pylori usw. hilft einerseits, die richtige Operation für den jeweiligen Patienten zu finden, und dient andererseits der präoperativen Möglichkeit einer etwaigen Helicobacter-pylori-Eradikation oder der Behandlung der Gastritis/Ösophagitis. Hiatushernien werden standardmäßig im Rahmen des bariatrischen Eingriffs mitversorgt.

Stoffwechselabklärung
Diese dient der Abklärung bzw. dem Ausschluss von stoffwechselbedingten Ursachen der Adipositas wie z.B. Hypothyreose oder Cushing-Syndrom.

Psychologische Begutachtung
Zur Evaluierung der ausreichenden Compliance des Patienten, um eine lebenslange Vitamineinnahme sowie regelmäßige Kontrollbesuche zu gewährleisten, ist die psychologische Begutachtung sehr wichtig. Es werden auch Erkrankungen des psychischen Formenkreises, Essstörungen und Depressionen abgeklärt.

Weitere optionale Untersuchungen können bei der Wahl der Operationsmethode helfen:

24h-pH-Metrie und Manometrie
Bei Refluxerkrankungen, Voroperationen oder Erkrankungen von Magen und Speiseröhre kann durch diese beiden Untersuchungen eine Säurebelastung bzw. eine Motilitätsstörung des Ösophagus diagnostiziert und das Operationsverfahren angepasst werden.

Knochendichtemessung
Zur Evaluation einer Beeinträchtigung der Knochenstabilität ist die Knochendichtemessung ein gutes Hilfsmittel, gegebenenfalls bestehende präoperative Mängel an Vitaminen und Elektrolyten sollten bereits im Vorfeld substituiert werden.

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