Diagnostik und Therapie der Hepatitis B

Prävention

Das Reservoir von HBV ist der Mensch. HBV wird perinatal, perkutan durch Blutzu- Blut-Kontakt oder durch Sexualkontakte übertragen. Da HBV im Blut hohe Konzentrationen erreicht und bereits geringste Mengen des Virus für eine Infektion ausreichen, ist infolge von kutanen Mikroverletzungen die Übertragung bei engem räumlichem Kontakt möglich.

Daraus ergibt sich auch die hohe Übertragungsrate von HBV bei sexuellen Kontakten. Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts macht die sexuelle Übertragung in Deutschland einen Anteil von 40–70% an den Neuinfektionen aus. Daher wird auch der Großteil der akuten Hepatitis-BFälle in der Gruppe der jungen Erwachsenen beobachtet. Nicht selten erwerben Urlaubsreisende eine HBV-Infektion durch sexuelle Kontakte in Endemiegebieten. Bei vielen Infizierten lässt sich der Übertragungsweg nicht rekonstruieren. Trotz konsequenter Kontrollen mittels PCR-Testung (Polymerasekettenreaktion) besteht ein Restrisiko für eine Übertragung durch Blutprodukte. Das Robert-Koch-Institut schätzt das Risiko einer unerkannt infektiösen Spende auf ca. 1:360 000. Plasmaprodukte sind heute als virussicher zu betrachten.

Empfehlungen zum Screening auf HBV wurden 2009 in einem österreichischen Konsensus-Papier gegeben. Screening wird empfohlen bei Personen mit erhöhten Leberwerten und/oder klinischen Zeichen einer Hepatitis sowie zahlreichen weiteren Personengruppen, darunter Migranten aus Regionen mit hoher HBV-Prävalenz, aber auch Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, Blut- und Organspender, Empfänger von Organtransplantaten vor und nach der Transplantation. Auch Patienten, die immunsuppressive Therapien erhalten sollen, müssen auf HBV gescreent werden.6
Prä- und peripartale Infektionen stellen ein massives Problem dar, zumal HBVInfektionen im Säuglingsalter fast ausschließlich asymptomatisch verlaufen, dabei jedoch in über 90% zur Chronifizierung führen. Die Übertragung von der Mutter auf das Kind ist besonders in Asien relevant, wo die HBV-Prävalenz deutlich höher liegt als in Europa. Allerdings rechnet das Robert-Koch-Institut, dass bei einer HBV-Prävalenz zwischen 0,4 und 0,8% und einer Zahl von 700 000 Geburten pro Jahr in Deutschland davon auszugehen ist, dass jährlich 2800 bis 5600 Kinder von HBV-infizierten Müttern geboren werden. Die Verhinderung einer perinatalen Übertragung bzw. einer Infektion im frühen Kindesalter stellt daher eine wichtige präventive Aufgabe dar. HBsAg-Screening von Schwangeren in Verbindung mit aktiver und passiver Immunisierung von Neugeborenen chronisch infizierter Mütter können Übertragungen nach der Geburt um mehr als 95% reduzieren. Eine antivirale Therapie mit Tenofovirdisoproxil als Fumarat (TDF) im letzten Schwangerschaftsdrittel kann bei Schwangeren mit sehr hoher Virämie die Gefahr einer Übertragung verringern.

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